Ulmer Herzrhythmuswoche: neue AFNET Studie zum Vorhofflimmer-Screening

14.10.2019

TEILNAHME VOM 21. OKTOBER BIS 17. NOVEMBER 2019 hier

Die vom 21. Oktober bis 17. November stattfindende Ulmer Herzrhythmuswoche lädt Menschen im Alter ab 65 Jahren in der Region Ulm zu einem Screening auf Vorhofflimmern ein. Das Projekt wird vom Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) unter wissenschaftlicher Leitung von PD Dr. Ralf Birkemeyer, Herzklinik Ulm, durchgeführt. In einer Auftaktveranstaltung am 16. September wurde es den Ulmer Ärzten vorgestellt.

PD Dr. Tillmann Dahme, Dr. Katharina Althaus und PD Dr. Ralf Birkemeyer (hinten, von links) stellten Ärzten aus Ulm und Umgebung am 16.09. die Ulmer Herzrhythmuswoche vor. (Bild: AFNET/Haase)

Mehr als 70 Teilnehmer besuchten die Auftaktveranstaltung zur Ulmer Herzrhythmuswoche im „Lago“ in der Friedrichsau, Ulm. Der Ulmer Landtagsabgeordnete  Jürgen Filius und die Geschäftsführerin der AOK-Bezirksdirektion Ulm-Biberach, Dr. Sabine Schwenk, brachten in ihren Grußworten das Interesse der Politik und der Krankenkassen für dieses Vorhofflimmer-Screening-Projekt mit dem Ziel der Schlaganfallprävention zum Ausdruck. Anschließend wurde die Studie inhaltlich vorgestellt.

Die Neurologin Dr. Katharina Althaus von der Universitätsklinik Ulm sprach über das „Schlaganfallrisiko durch unentdecktes Vorhofflimmern“. Vorhofflimmern ist oft schwer zu diagnostizieren, weil es in vielen Fällen anfallsweise auftritt (paroxysmales Vorhofflimmern) und außerhalb der Anfälle nicht nachweisbar ist. Außerdem spüren zahlreiche Patienten keinerlei Symptome, so dass die Rhythmusstörung lange Zeit völlig unbemerkt bleibt. Etwa 20 Prozent aller Schlaganfälle gehen auf unerkanntes Vorhofflimmern zurück und hätten durch eine rechtzeitige Behandlung möglicherweise verhindert werden können.  

Fachleute empfehlen, bei besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen gezielt nach Vorhofflimmern zu suchen. Denn eine frühere Erkennung von Vorhofflimmern würde die Einleitung einer gerinnungshemmenden Therapie (Antikoagulation) erlauben und dadurch das Schlaganfallrisiko erheblich senken. Der Kardiologe PD Dr. Tillmann Dahme, leitender Oberarzt der Elektrophysiologie in der Uniklinik Ulm, referierte zu diesem Thema: „Ab wann Vorhofflimmern antikoagulieren?“ Er ist als Prüfarzt und Mitglied des Lenkungsausschusses aktiv an der Studie beteiligt.

PD Dr. Ralf Birkemeyer, Herzklinik Ulm, stellte anschließend in seinem Vortrag „Schlaganfallprävention durch Ü65 – Vorhofflimmer Screening – das Pilotprojekt „Ulmer Herzrhythmuswoche“ die Studie vor:

Aktuelle digitale Technologien wie die Photoplethysmographie – eine Untersuchungsmethode, die sich die Lichtreflexion des roten Blutfarbstoffs zunutze macht – ermöglichen ein einfach zu handhabendes Vorhofflimmer-Screening mit dem Smartphone. Die App Preventicus Heartbeats, die mit den mobilen Plattformen iOS und Android kompatibel ist, nutzt das LED Licht und die Kamera des Smartphones ohne weitere Zusatzgeräte. Die Kamera dient dabei als photoplethysmographischer (PPG) Sensor. Der Anwender positioniert die Kameralinse für eine Minute auf seiner Fingerspitze, um eine Pulskurve aufzunehmen. Aus dieser Pulskurve analysiert die App mit Hilfe von Algorithmen den Herzrhythmus. Klinische Studien haben bereits gezeigt, dass die App in der Lage ist, Vorhofflimmern zuverlässig zu erkennen.

Preventicus hat in Zusammenarbeit mit verschiedenen Krankenkassen ein integriertes Konzept zur Vorhofflimmer-Detektion konzipiert. Es beinhaltet ein Vorhofflimmer-Screening (Modul 1) und eine Vorhofflimmer-Diagnostik bei positivem Screening-Ergebnis (Modul 2). Ziel der Ulmer Herzrhythmuswoche ist es, dieses integrierte Versorgungsprogramm zu evaluieren. In Ulm und Umgebung sind Personen ab einem Alter von 65 Jahren eingeladen, an einem 14-tägigen Vorhofflimmer-Screening-Programm mit der App Preventicus Heartbeats teilzunehmen. In diesem Zeitraum nimmt jeder Teilnehmer zweimal täglich sowie immer bei gespürtem Herzstolpern eine Messung vor. Teilnehmern, bei denen die App ein positives Screening-Ergebnis liefert und bei denen bisher noch kein Vorhofflimmern bekannt war, wird angeboten, sich an einen der teilnehmenden lokalen Kardiologen zu wenden, um zur Bestätigung des Vorhofflimmerns mit einem kostenfreien Langzeit-EKG über 14 Tage versorgt zu werden. Nach der Diagnosestellung eines Vorhofflimmerns erfolgt, falls notwendig, eine weitere Diagnostik und Therapie im Rahmen der Regelversorgung.

Es handelt sich um eine Untersucher-initiierte, prospektive, nicht randomisierte zweiteilige Registerstudie. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. führt die Studie und deren Auswertung unabhängig durch. Die Nutzung der App Preventicus Heartbeats und der Internetplattformen Telecare und Carenet sowie die 14-Tage Event-EKGs der Firma GETEMED werden kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Studienzentren erhalten keine Aufwandsentschädigung. Die Firma Daiichi Sankyo Deutschland unterstützt die Ulmer Herzrhythmuswoche durch finanzielle Mittel für die Durchführung der Studie und praktische Hilfe bei der Rekrutierung von Studienteilnehmern.

Weitere Informationen: 

www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/de/forschung/register-epidemiologische-studien-nicht-interventionelle-studien/ulmer-herzrhythmuswoche

www.ulmer-herzrhythmuswoche.af-net.eu