Vorhofflimmer Akademie

Vorhofflimmern in der Praxis: Was gibt es Neues? Wie sieht die optimale Behandlung aus?

Fortbildungsveranstaltung des Universitätsklinikums Münster
in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung, dem Kompetenznetz Vorhofflimmern und Sanofi Aventis Deutschland 

06.06.2009, 9:00 Uhr, Lehrgebäude des UKM, Hörsaal L20

Im VHF-Portal der Firma Sanofi Aventis sind die Vorträge dieser Veranstaltung unter https://www.vhf-portal.de/index.php?ID=63 als Internetpräsentation abrufbar. Diese Internetseite steht nur registrierten Benutzern aus medizinischen Fachkreisen zur Verfügung. Um sich anzumelden, folgen Sie bitte dem Link und beachten Sie die Hinweise zur Registrierung rechts auf der Seite.

Vorhofflimmern lässt sich nicht auf eine Befindlichkeitsstörung reduzieren, sondern ist eine Erkrankung mit erheblicher kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität. In der Therapie des Vorhofflimmerns hat sich die orale Antikoagulation auf der Basis von Studien durchgesetzt, die deren Wirksamkeit im Hinblick auf die Verhinderung von embolischen Ereignissen nachgewiesen haben. In der Rhythmustherapie allerdings ist bislang unklar, ob eine Rhythmisierung oder die Kontrolle der Kammerfrequenz bei Fortbestehen von Vorhofflimmern die bessere Therapieoption ist. Studien zum Vergleich der beiden Strategien zeigen keine Unterschiede im Hinblick auf die Prognose – allerdings ist das Vorliegen eines Sinusrhythmus (unabhängig von der gewählten Strategie) mit einem Überlebensvorteil verbunden. Eine neuere Strategie ist die gezielte Ablation von Triggern im Bereich der Pulmonalvenen, die für Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern bereits eine gute Therapieoption darstellt.

Die Referenten der Vorhofflimmer Akademie Münster haben diese Themen in einer kompakten Veranstaltung auf den Punkt gebracht. Vor allem die praktischen Aspekte des Vorhofflimmerns standen bei dieser CME-zertifizierten Fortbildungsveranstaltung im Vordergrund und die Teilnehmer konnten mit Hilfe eines TED Systems Anstöße für die Richtung der Diskussion geben.

Prof. Breithardt

Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Breithardt, ehemaliger Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik C, eröffnete die Vorhofflimmer AKADEMIE, zu der an diesem Samstag Anfang Juni etwa 150 Kardiologen und kardiologisch interessierte Gäste erschienen waren, mit einem Überblick über die historische Entwicklung der Therapie von Vorhofflimmern.

Im ersten Vortrag dieser Veranstaltung referierte Prof. Dr. Paulus Kirchhof aus Münster, über Mechanismen, Folgen und Behandlungsansätze bei Vorhofflimmern. Besonderer Schwerpunkt seines Vortrags war die Illustration des Zusammenspiels von elektrischem und strukturellem Remodelling der Vorhöfe mit linksventrikulärer Dysfunktion und Triggern an den Pulmonalvenen. Die Komplexität dieser pathophysiologischen Veränderungen bedinge auch ein differenziertes Vorgehen beim Patienten. Während triggernde Vorhofareale in den Mündungen der Pulmonalvenen den Erfolg z.B. einer Ablation wahrscheinlich machten, seien bei Patienten mit eingeschränkter linksventrikulärer Funktion oder lange bestehendem Vorhofflimmern andere Optionen zu bevorzugen. Er wies darauf hin, dass sich das Vorhofflimmern in der Regel selbst verstärke: Während am Anfang paroxysmale Attacken die Regel seien, gingen diese mit steigender Häufigkeit fast regelhaft in permanentes Vorhofflimmern über.

Dr. Gerrit Kaleschke (Münster) ging im Anschluss auf die Diagnostik von Vorhofflimmern ein. Diese sei zwar auf den ersten Blick einfach, der Teufel stecke aber im Detail. So gebe es nicht wenige Personen in Deutschland, deren Vorhofflimmern bisher noch nicht klinisch auffällig geworden sei. Dieses Vorhofflimmern sei aber nicht weniger gefährlich und könne ebenfalls zu kardiovaskulären Ereignissen führen. Darüber hinaus sei die Überprüfung einer effektiven Rhythmuskontrolle bei nur unregelmäßig wiederkehrenden Episoden von Vorhofflimmern nicht immer zuverlässig, klinische Symptome zur Rezidivdetektion nicht ausreichend. Während Langzeit-EKGs oder auch Telemetriekarten hier eine gewisse Abhilfe schafften, seien implantierte Schrittmacher und Defibrillatoren die besten Helfer in der Diagnose von Vorhofflimmern.

PD Dr. Goette

In der Therapie von Vorhofflimmern steht heute die Entscheidung zwischen einer Frequenzkontrolle und der Rhythmuskontrolle im Vordergrund. PD Dr. Andreas Götte (Universität Magdeburg) stellte in seinem Vortrag Daten zum neuen Multikanalblocker Dronedaron vor. Dieser ist bei der EMEA zur Zulassung eingereicht und verspricht sowohl eine Rhythmisierung als auch die Möglichkeit zur Frequenzkontrolle. Pharmakologisch bietet Dronedaron, das kein Jod enthält, durch erhöhte Hydrophilie und einer verkürzte Halbwertszeit Vorteile, die klinisch eine Innovation darstellen mit einer in der ATHENA Studie nachgewiesenen Reduktion des kombinierten Endpunktes von kardiovaskulär bedingter Hospitalisierung und Mortalität jedweder Ursache um 24% gegenüber der Kontrolltherapie.

Nach einer kurzen Pause vertiefte Dr. Kristina Wasmer (Münster) das Thema Antikoagulation bei Vorhofflimmern. Die Notwendigkeit sei zwar allerorts akzeptiert, nur die praktische Umsetzung bereite mit den Vitamin-K-Antagonisten Probleme. Während sich die initiale Einstellung aus klinischer Sicht weitgehend unproblematisch gestalte, sei langfristig mit einer nur suboptimalen Antikoagulation der Patienten zu rechnen. Die Zeit im therapeutischen INR-Bereich bzw. der Anteil der optimal eingestellten Patienten sei im klinischen Alltag häufig nicht ausreichend und die Erwartung an neuere Antikoagulantien entsprechend hoch. Daten zum Vorhofflimmern seien aber für die Neuentwicklungen in diesem Bereich auf dem Weg.

Prof. Dr. Christian Mewis (Homburg) nahm sich in seinem Vortrag der häufigen Kombination aus Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz an. Vorhofflimmern führt häufig zu einer begleitenden Herzinsuffizienz, die wiederum die Symptomatik verstärke und den Vorhof weiter schädige. Eine Therapie unter Berücksichtigung beider Aspekte sei daher dringend geboten, die idealerweise in einer sehr frühzeitigen, konsequenten Behandlung beider Pathologien bestehe.

Prof. Eckardt

Prof. Dr. Lars Eckardt (Münster) gab anschließend einen Überblick über den aktuellen Stand der Katheterablation von Vorhofflimmern. Er zeigte anhand größerer Studien die gute Prognose vor allem der Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern, die technische Weiterentwicklung der Methodik und ordnete mögliche Komplikationen der Prozedur ein. Dabei stand für ihn eine sorgfältige Abwägung von Risiko und Nutzen dieser Therapieoption im Vordergrund.

Abschließend blickte Herr Prof. Breithardt auf die Veranstaltung zurück und illustrierte, wie sich die Komplexität von Themen erhöht, je mehr man über sie weiß. „Vor 20 Jahren haben wir schon geglaubt, Vorhofflimmern verstanden zu haben. Heute wissen wir so viel mehr und erkennen aber, dass wir weiter von einem umfassenden Verständnis der Erkrankung entfernt sind denn je.“ Jedoch versprächen moderne Ablationstechniken, sowie neue, zukünftige medikamentöse Therapieoptionen und eine optimale pharmakologische Grundversorgung der Patienten eine deutliche Senkung der Morbidität und Mortalität.

Bilder: Sanofi Aventis

Programm

9:00 - 9:15: Begrüßung durch Prof. Dr. med. Dr. h.c. G. Breithardt, UKM Münster

9:15 - 9:45: Vorhofflimmern: Mechanismen, Folgen und Behandlungsansätze (Prof. Dr. med. P. Kirchhof, UKM Münster)

9:45 - 10:15: Diagnostik von Vorhofflimmern: EKG-Verfahren und weitere sinnvolle Diagnostik (Dr. med. G. Kaleschke, UKM Münster)

10:15 - 10:45: Neuigkeiten aus der medikamentösen Therapie: Verhinderung von Vorhofflimmern und seinen Komplikationen (PD Dr. med. A. Götte, Universitätsklinik Magdeburg)

10:45 - 11:15: Kaffeepause mit Imbiss

11:15 - 11:45: Antikoagulation bei Vorhofflimmern - wer, wann und wie? (Dr. med. K. Wasmer, UKM Münster)

11:45 - 12:15: Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz - eine häufige und schwierige Kombination (Prof. Dr. med. C. Mevis, Universitätsklinik Homburg)

12:15 - 12:45: Aktueller Stand der Katheterablation von Vorhofflimmern (Prof. Dr. med. L. Eckardt, UKM Münster)

12:45 - 13:15: Schlusswort Prof. Dr. med. Dr. h.c. G. Breithardt

Referenten

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Breithardt, ehemaliger Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie) der Universität Münster

Prof. Dr. med. Lars Eckardt, Medizinische Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie) der Universität Münster

PD Dr. med. Andreas Götte, Klinik für Kardiologie, Angiologie & Pneumonie der Universitätsklinik Magdeburg

Dr. med. Gerrit Kaleschke, Medizinische Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie) der Universität Münster

Prof. Dr. med. Paulus Kirchhof, Medizinische Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie) der Universität Münster

Prof. Dr. med. Christian Mewis, Medizinische Klinik lll / Kardiologie der Universitätsklinik Homburg

Dr. med. Kristina Wasmer, Medizinische Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie) der Universität Münster