B10, Angiotensin II Rezeptor Antagonist (Olmesartan) zur Behandlung von paroxysmalem Vorhofflimmern (ANTIPAF-Studie NCT00098137)

Goette, Paderborn / Meinertz, Hamburg

Vorhofflimmern ist die häufigste Arrhythmie in der klinischen Praxis. Neben einer direkten Beeinträchtigung der kardialen Funktion ist Vorhofflimmern zu dem eine der wesentlichen Ursachen für Schlaganfälle und zerebrale Embolien. Ein bislang anerkanntes pathophysiologisches Konzept des Vorhofflimmerns  basiert auf der Vorstellung, dass Vorhofflimmern durch das gleichzeitige Vorhandensein multipler atrialer Reentry-Kreise aufrechterhalten wird. Atriale Fibrosierungen bilden ein „arrhythmogenes Substrat“, welches das Auftreten und die Persistenz von Vorhofflimmern begünstigt. Erste Untersuchungen am humanen Vorhofgewebe zeigten, dass das Angiotensin-Converting Enzym (ACE) bei Vorhofflimmern vermehrt atrial exprimiert wird (Goette et al. 2000). Parallel zur vermehrten ACE-Expression fand sich ein vermehrter Gehalt der aktivierten (phosphorylierten) MAP Kinasen in Fibroblasten. Die erhöhten Mengen an MAP Kinasen waren mit vermehrten interstitiellen Kollagenablagerungen assoziiert. Diese an humanem Gewebe erhobenen Befunde wurden nachfolgend auch experimentell bestätigt (Li D et al. 2001). Zudem konnte die MAP Kinase-vermittelte Fibrosierung durch Gabe von Enalapril (ACE-Hemmer) deutlich reduziert werden. Ähnliche experimentelle Ergebnisse liegen auch für Angiotensin II Rezeptor Blocker vor. Retrospektive Analysen multizentrischer randomisierter Studien (TRACE, SOLVD, ValHeFT) konnten bestätigen, dass die Inhibition der Angiotensin II Wirkung die Inzidenz von Vorhofflimmern senkt.

Ziel: 
Die ANTIPAF-Studie untersucht die Wirksamkeit von Olmesartan (Angiotensin II Rezeptor Blocker) im Vergleich zur Standardtherapie ohne Angiotensin II Rezeptor Blocker zur Verringerung von paroxysmalem Vorhofflimmern.

Hypothese: 
Die Behandlung mit Olmesartan verringert die Häufigkeit von paroxysmalem Vorhofflimmern im Zeitraum von 12 Monaten im Vergleich zu Placebo um 25%.

Design: 
Multizentrisch, randomisiert, placebokontrolliert, doppelblind

aktueller Stand:
Die Studie ist abgeschlossen. Die Ergebnisse wurden auf dem ESC Kongress 2010 in Stockholm im Rahmen einer Hot Line Session vor rund 2000 Kardiologen vorgestellt. Die ANTIPAF Studie hat gezeigt, dass Angiotensin II Rezeptorblocker nicht geeignet sind, paroxysmales Vorhofflimmern bei Patienten ohne begleitende strukturelle Herzerkrankung zu verhindern. Eine ausführliche wissenschaftliche Arbeit wurde zur Veröffentlichung eingereicht.

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Andreas Goette
Chefarzt
Medizinische Klinik II - Kardiologie und internistische Intensivmedizin
St. Vincenz-Krankenhaus
Am Busdorf 2
33098 Paderborn
Tel: 05251 / 86-1651
Fax: 05251 / 86-1668
E-Mail: andreas.goette@vincenz.de

Lebenslauf

Univ.-Prof. Dr. Thomas Meinertz
Ehemaliger Klinik-/Institutsdirektor
Universitäres Herzzentrum Hamburg gGmbH
Klinik für Kardiologie, Angiologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
 

Lebenslauf

Bildschirmpräsentation (Powerpoint, 1MB)

Literatur

Goette A, Lendeckel U, Klein HU. Molekularbiologie der Herzvorhöfe: Neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie des Vorhofflimmerns sowie klinische Implikationen. Z f Kardiol 2004; 93:864-877.

Schotten U, Dobrev D, Kirchhof P, Kääb S, Lewalter T, Goette A. Vorhofflimmern: Grundlagenforschung bietet neue Chancen für innovative pharmakologische Therapieansätze. Dt. Ärzteblatt 2006; in press.