A2, Prävalenz von Vorhofflimmern in der Normalbevölkerung

(Steinbeck / Wichmann, München)

Die Häufigkeit von Vorhofflimmern nimmt mit dem Alter exponentiell zu. Die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung wird daher zu einer deutlichen Zunahme der Prävalenz des Vorhofflimmern führen. Hinzu kommt, dass die gegenwärtigen Angaben die Prävalenz von Vorhofflimmern wahrscheinlich deutlich unterschätzen: bisherige Untersuchungen stützen sich für die Diagnose „Vorhofflimmern“ auf die Ableitung eines singulären EKGs im Rahmen populationsbasierter Untersuchungen, oder auf die Analyse hoch selektionierter Kollektive wie Entlassungs­diagnosen der Krankenhäuser oder die Daten von Krankenversicherungen, welche eine korrekte Angabe zur Prävalenz nicht erlauben. Studien mit wiederholt abgeleiteten EKGs über mehrere Wochen sowie prolongierte Langzeit-Registrierungen zeigen aber, dass in der Hälfte der Fälle paroxysmales, d.h. anfallsartiges Vorhofflimmern vorliegt, das in bis zu 70% Vorhofflimmern ohne jede Symptomatik verläuft, so dass von einer hohen Zahl von Patienten mit unerkanntem Vorhofflimmern in der Allgemeinbevölkerung ausge­gan­gen werden muss. Diese Patienten werden oft erst durch Kompli­kationen des Vorhofflimmerns wie einen kardioembolischen Schlaganfall, zum Teil mit irreversiblen Schäden, auffällig.

Aufgrund des anfallsweisen Charakters von Vorhofflimmern und der Häufigkeit asymptomatischer Episoden sind zur korrekten Ermittlung der Prävalenz von Vorhofflimmern in der Bevölkerung EKG-Registrierungen über längere Zeiträume unverzichtbar. Geeignetes Instrument dafür sind die heute verfügbaren scheckkartengroßen EKG-Rekorder, die täglich mehrfache EKG-Registrierungen mit telefonischer Datenübermittlung zur Analyse erlauben. Unsere vorlaufende Pilotstudie zeigt eine hohe Akzeptanz dieser Methode bei den Probanden und eine valide Auswertbarkeit der Registrierungen. Die ersten Ergebnisse der  Pilotstudie deuten bereits auf eine Prävalenz von Vorhofflimmern hin, die doppelt so hoch liegt wie bisherige Abschätzungen, vor allem aufgrund der Identifikation von Personen mit bislang unerkanntem, asymptomatischen Vorhofflimmern.

Die frühzeitige Erkennung solcher Patienten erlaubt eine optimierte Therapie von Grund- und Begleiterkrankungen sowie die Prävention von Komplikationen. Durch die Einbettung der Studie in das MONICA/KORA-Projekt, Augsburg, wird die zusätzliche Analyse der bei diesen Probanden erhobenen, umfassenden klinischen Parameter in Bezug zu Vorhofflimmern möglich. 

Design: Die Untersuchung zur Prävalenz wird durchgeführt in einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe des MONICA/KORA Projekts Augsburg. Dazu wird neben ausführlichen klinischen Parametern für 3 Monate täglich routinemäßig und zusätzlich jederzeit nach Entscheidung des Probanden, z.B. bei  Symptomen, ein EKG von 30 Sekunden Dauer abgeleitet und per Telefon zum Studienzentrum zur Analyse übermittelt. Pro Proband werden somit mehr als 100 EKG-Registrierungen zur Beurteilung eines evtl. Vorliegens von Vorhofflimmern zur Verfügung stehen.
Ziel: Aufgrund der Durchführung der Studie in einem bevölkerungsrepräsentativen Kollektiv wird eine valide Aussage zur alters- und geschlechtsabhängigen Prävalenz von Vorhofflimmern in der Allgemeinbevölkerung möglich. Diese wird eine konkrete Abschätzung der Zahl der von Vorhofflimmern betroffenen Patienten, der dadurch verursachten Komplikationen und der entstehenden Kosten in den kommenden Jahren erlauben.
aktueller Stand:
Einschluss der Probanden und dreimonatige Tele-EKG-Registrierung wurden am 31.08.2008 abgeschlossen. Das Kollektiv umfasst 1721 Probanden der Normalbevölkerung über 55 Jahre des KORA Kollektivs Augsburg. Die Datenanalyse wird derzeit durchgeführt.

Ansprechpartner

Univ.-Prof. Dr. med. Gerhard Steinbeck
Medizinische Klinik I
Universitätsklinik Großhadern 
Ludwig-Maximilians-Universität München
Marchioninistr. 15
81377 München
Tel.: (089) 7095-2371
Fax.: (089) 7095-8870
e-mail: gerhard.steinbeck@med.uni-muenchen.de

Lebenslauf

Univ.-Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann

Institut für Epidemiologie, LMU München
und GSF-Forschungszentrum
Ingolstädter Landstr. 1
86764 Neuherberg
Tel.: (089) 387 4066
Fax.: (089) 3187 4499
e-mail: wichmann@helmholtz-muenchen.de

Lebenslauf


Infoblatt (PDF, 1 Seite, 274KB) zum Teilprojekt A2

Literatur

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Janko S, Hoffmann E, Schimmel S, Matis T, Fetsch T, Wichmann E., Kääb S, Näbauer M, Steinbeck G. Prävalenz von Vorhofflimmern in der Allgemeinbevölkerung: das KORA-AF-EVENT-Projekt. Z Kardiol 2004;93 Suppl 3: P783.

Mueller JC, Lohmussaar E, Magi R, Remm M, Bettecken T, Lichtner P, Biskup S, Illig T, Pfeufer A, Luedemann J, Schreiber S, Pramstaller P, Pichler I, Romeo G, Gaddi A, Testa A, Wichmann HE, Metspalu A, Meitinger T. Linkage disequilibrium patterns and tagSNP transferability among European populations. American Journal of Human Genetics 76, 387-98 (2005)

Peters, A., von Klot, S., Heier, M., Trentinaglia, I., Cyrys, J., Hörmann, A., Hauptmann, M., Wichmann, H.E., Löwel, H.: Particulate Air Pollution and Nonfatal Cardiac Events. Part I. Air Pollution, Personal Activities, and Onset of Myocardial Infarction in a Case-Crossover Study. HEI Research Report 124, 1-82 (2005)

Pfeufer, A., Jalilzadeh, S., Perz, S., Mueller, J.C., Hinterseer, M., Illig, T., Akyol, M., Huth, C., Schöpfer-Wendels, A., Kuch, B., Steinbeck, G., Holle, R., Näbauer, M., Wichmann, H.E., Meitinger, T., Kääb, S.: Common variants in myocardial ion channel genes modify the QT interval in the general population Results from the KORA Study. Circulation Research 96, 693-701 (2005)

Wichmann, H.E., Gieger, C., Illig, T., for the MONICA/KORA Study Group: KORA-gen – Resource for Population Genetics, Controls and a Broad Spectrum of Disease Phenotypes. Gesundheitswesen 67, S26-S30 (2005)