Vorhofflimmern früher erkennen – Schlaganfälle besser verhindern

23.11.2015

Alle zehn Minuten ereignet sich in Deutschland ein Schlaganfall, der durch die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern verursacht ist. Viele dieser schweren Hirninfarkte wären vermeidbar, wenn die zugrundeliegende Rhythmusstörung rechtzeitig erkannt würde. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) nutzt die heute beginnende Aktionswoche „Vorhofflimmern erkennen und richtig handeln“, um auf die Gefahren aufmerksam zu machen und über die Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Durch Fühlen des Pulses kann eine Rhythmusstörung entdeckt werden.
Bild: Atrial Fibrillation Association

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern. Auch wenn die Rhythmusstörung nicht unmittelbar lebensbedrohlich ist, kann sie doch schwere Komplikationen mit sich bringen, vor allem Schlaganfälle. Da sich durch Vorhofflimmern im Herzen Blutgerinnsel bilden und mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült werden können, haben die Betroffenen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Rund ein Fünftel der etwa 240.000 Schlaganfälle, die sich jährlich in Deutschland ereignen, ist durch Vorhofflimmern bedingt. Da Vorhofflimmern nicht immer mit spürbaren Symptomen verbunden ist, wissen viele Betroffene gar nicht, dass sie an dieser gefährlichen Rhythmusstörung leiden. Immer wieder kommt es vor, dass erst nach einem schweren Schlaganfall festgestellt wird, dass der Patient Vorhofflimmern hat. Um solche Fälle zu verhindern, kommt es darauf an, die Rhythmusstörung frühzeitig zu erkennen, damit sie angemessen behandelt werden kann, bevor es zu spät ist.

Der erste Schritt, um eine Rhythmusstörung zu entdecken, ist eine Pulsmessung, zum Beispiel beim Hausarzt oder auch, indem man selbst seinen Puls fühlt. Ist dabei ein unregelmäßiger Pulsschlag zu spüren, sollte ein EKG geschrieben werden, um zweifelsfrei festzustellen, ob es sich um Vorhofflimmern handelt.

Ist Vorhofflimmern erst einmal erkannt, kann das Schlaganfallrisiko durch gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien) gesenkt werden. Dafür stehen heutzutage neben dem altbekannten Phenprocumon (Handelsname: Marcumar) auch sogenannte nicht-Vitamin K-basierte orale Antikoagulanzien (NOAKs) zur Verfügung. Der behandelnde Arzt entscheidet dabei individuell, welches Medikament für den betreffenden Patienten am besten geeignet ist.

„Durch eine bessere Früherkennung von Vorhofflimmern ließen sich viele schwere Schicksalsschläge vermeiden und enorme Kosten im Gesundheitssystem einsparen. Deshalb ist es wichtig, dass Ärzte gezielt nach Vorhofflimmern suchen, indem sie bei ihren Patienten den Puls messen. Und wenn Vorhofflimmern vorliegt, sollte es rechtzeitig und konsequent mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt werden“, empfiehlt Prof. Dr. Andreas Goette, Chefarzt der Kardiologie im St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn und Vorstandsmitglied des AFNET.

Auf den Internetseiten des AFNET stehen weitere Informationen über Vorhofflimmern und die Behandlung zum Download bereit.

 

Die Aktionswoche „Vorhofflimmern erkennen und richtig handeln“ (AF Aware Week) ist eine internationale Aufklärungskampagne, die ursprünglich von der britischen Atrial Fibrillation Association (AFA) ins Leben gerufen wurde, siehe
http://www.atrialfibrillation.org.uk/campaigns/afawareweek.html

Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen deutschlandweit zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es, die Behandlung und Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern in Deutschland und Europa durch koordinierte Forschung zu verbessern. Dazu führt das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. wissenschaftsinitiierte klinische Studien (investigator initiated trials = IIT) und Register auf nationaler und internationaler Ebene durch. Der Verein ist aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetz Vorhofflimmern hervorgegangen. Seit Januar 2015 werden einzelne Projekte und Infrastrukturen des AFNET vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) gefördert.

Pressekontakt:

Dr. Angelika Leute
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