Rationale und Hintergrund

Vorhofflimmern ist eine häufige Ursache für Schlaganfälle, vor allem für ischämische Schlaganfälle. Bisher stammen alle Daten, die die Wirksamkeit der oralen Antikoagulation zur Verhinderung von Schlaganfällen belegen, aus Populationen mit Vorhofflimmern, das durch konventionelle EKG-Aufzeichnung dokumentiert wurde. Allerdings bleibt Vorhofflimmern häufig unerkannt (stummes Vorhofflimmern) und macht sich in vielen Fällen erst durch einen Schlaganfall bemerkbar. Ein früherer Beginn der Antikoagulation könnte solche Komplikationen verhindern. Die kontinuierliche Überwachung des Vorhofrhythmus durch implantierte Geräte könnte diese diagnostische Lücke schließen. Moderne Schrittmacher und Defibrillatoren verfügen über Algorithmen, die das Auftreten von atrialen Hochfrequenzepisoden (AHRE) anzeigen. Diese Episoden entsprechen häufig, aber nicht immer, kurzen schnellen Vorhofrhythmusstörungen. Daten aus großen Patientenkohorten haben gezeigt, dass das Schlaganfallrisiko bei Patienten mit AHRE erhöht ist. Ein erheblicher Teil dieser Patienten entwickelt mit der Zeit Vorhofflimmern. Bei diesen Patienten können AHRE als frühe Form von paroxysmalem Vorhofflimmern betrachtet werden. Nicht alle Patienten mit AHRE entwickeln tatsächlich Vorhofflimmern, und die absoluten Schlaganfallraten sind bei Patienten mit AHRE niedriger als bei Patienten mit klinisch diagnostiziertem Vorhofflimmern. Angesichts der mit der oralen Antikoagulationstherapie verbundenen Blutungskomplikationen ist bisher nicht klar, welche antithrombotische Therapie für Patienten mit AHRE optimal ist.

Die Nicht-Vitamin K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (NOAKs) bieten im Vergleich zu Vitamin K Antagonisten (VKA)  eine gleich gute oder geringfügig bessere Schlaganfall-Prävention und scheinen dabei etwas sicherer zu sein. Außerdem ist bei NOAKs keine individuelle Anpassung der Dosis notwendig. Das neu eingeführte NOAK Edoxaban zeigt bei einer Dosis von einmal täglich 60 mg Vorteile gegenüber der Dosis-angepassten VKA-Therapie: in der ENGAGE-TIMI 48 Studie hat Edoxaban Schlaganfälle mindestens so effektiv verhindert, aber weniger schwere Blutungskomplikationen verursacht als die VKA Therapie.